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Montag, 6. März 2017
Manchmal ertappe ich mich sogar selbst dabei, wie ich denke, vielleicht war es sehr klug von Politikern der EU-Länder, vor allem Merkel, der Türkei die Aussicht auf den Beitritt zu verwehren, bei dem, wie es jetzt dort aussieht.
Dann weiß ich aber auch, wie sehr die europäischen Politiker Erdoğan unterstützt haben, wie sie ihn gefördert haben. Als übelster Neoliberaler war er ein Büttel, dessen Seele man für paar Euro kaufen konnte. Sie haben ihn gehegt und gepflegt. Er war der Garant der wirtschaftlichen Stabilität. Zwar schwierig im persönlichen Umgang aber ein Opportunist und sehr pragmatisch, wenn es darum ging, Wirtschaft voran zu bringen. Über welche Leiche auch immer. Er ging. Immer fester tretend darüber.
Nur: Erdoğan ist ein bauernschlauer Politiker durch und durch. Er weiß bereits vorher, wann sich der Wind dreht.
Kleines Beispiel gefälligst: Erst hat er Essad hofiert und unterstützt, weil es so für die Region am besten war und die Türkei ungestört Geld scheffeln konnte, dann hat er, um seinem Bodensatz aus Religiösen und Nationalisten zu imponieren, versucht, Essad zu stürzen. Jetzt antichambriert er ihn wieder. Essad kriegt er nicht klein. Also beugt er sich der Realiät. Genauso mit Russland und den USA.
Während also in Europa Merkel und Co. alles daran setzten, die einzige Hoffnung der liberalen (jetzt nicht wirtschaftsliberal, sondern richtig liberal), modernen Türken, die Aussicht auf den EU-Beitritt, besonders hinterfotzig zu zerstören, hat Erdoğan es sofort verstanden, dass die Bigotterie ihm nutzen konnte. Und er hat es auch nahezu perfekt für sich benutzt. Die Türkei war auf dem guten Weg, seit Ecevits, eines unbestechlichen, gutmütigen Sozialdemokraten und eines für die Region ungewöhnlich integren Politikers, Durchgreifen, sich politisch und ökonomisch zu positionieren. Er zwängte die marode Türkei nach der Finanzkrise im Jahrtausendwende mit knallharten Reformen in den richtigen Weg. AKP kaperte später das Land und konnte gutes Marketing mit seinem widerlichen aber geübten und uns wohlbekannten Marketingleiter betreiben und dem dummen (in diesem Fall ist dieses Adjektiv tatsächlich gerechtfertigt und trifft vollkommen zu) Volk die Erfolge der Sozialdemokraten als eigene verkaufen, während die Schmerzen die Ecevits und Dervişs Reformen es zufügten eben jenen angelastet wurden. Ist aber leider immer so. Wer in der Politik ehrlich handelt und Wahrheit sagt, der kann weniger weit kommen als die offensichtlichen Lügner. Wenn man es nüchtern betrachtet, ist es aber ganz logisch. Vielleicht sollte man die Demokratie in dieser Hinsicht nachjustieren.
So macht man in Europa Diktatoren. Und: Es hätte nie so kommen müssen.
Wer jetzt denke, das seien orientalische Probleme, der möge sich nicht zu früh freuen.
Die Stimmung kann, wie wir es seit der Trump-Katastrophe wissen, schneller kippen als man es wahr haben will. Und sobald diese auf merkwürdig widerliche Art intelligenten Politiker irgendwie an die höchste Stelle der Macht gelangen, hören sie nicht auf, bevor sie mindestens ihren Staat zerstört haben.
Man braucht für Parallelen nicht mal hinkende Hitlervergleiche.

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Letzte Aktualisierung: 2025.02.21, 08:33
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