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Freitag, 2. Juli 2010
Dass Gauck für Grüne und SPD wegen seiner sozialen Einstellung eigentlich untragbar war, das war jedem schnell klar. Seine Kandidatur war nur ein Husarenstück der beiden Oppositionsparteien, das irgendwie auch aufgegangen ist. Kurzfristig.
Wenn man aber die ethischen Dimensionen dieser merkwürdigen Kandidatur des linken Lagers für sich selbst ausbreitet, dann beginnt man zu kotzen.
Ich habe auf der Bundesebene meine Stimme meistens den Grünen gegeben.
Dass diese Grünen mittlerweile gemeinsame Dinge mit CDU in den Bundesländern drehen, darüber sah ich sogar hinweg, da in der Provinz die Parteien nur Tarnmantel für allerlei Strömungen sind, die zu erkennen noch nicht einmal einer besonderen Intelligenz bedarf. Niemand wird sagen können, dass ein Wolfgang Clement, zeitweise Ministerpräsident der NRW, ein SPD-Politiker, jemand gewesen wäre, der seine politische Macht mehr für die Belange der sozial Schwächeren eingesetzt hätte als -sagen wir mal- ein Armin Laschet.
So ist es halt.
Nun aber wieder zur Wahl des Bundespräsidenten: Dass die Grünen dieses unmoralische Spielchen mit der SPD gedreht haben, einen Kandidaten ernannt haben, den die SPD vielleicht durch Parteiausschlussverfahren gejagt, hätte, wenn Herr Gauck nur das Parteibuch der Sozialdemokraten besessen hätte, das finde ich ein bisschen zuviel der Durchtriebenheit, auch wenn dieses Mittel die Richtigen düpieren sollte.
Natürlich hat man das Regierungslager ein bisschen geärgert und dumm dastehen lassen; darüber habe ich mich tierisch amüsiert. Auch die ständigen Meldungen des letzten Monats über Gaucks mögliche Chancen, trotz der offensichtlichen Mehrheiten in der Bundesversammlung, haben mir als etwas Abstraktes gut getan. Sollten doch diese aalglatten FDPler und die Schaumschläger der Union sich zerfleischen.
Was aber dann? Wie soll ich demnächst mich orientieren? Wie soll ich diese Prinzipienlosigkeit der SPD und Grünen einordnen?
Ich denke, diese haben für einen kurzen Effekt das bisschen Vertrauen geopfert, das ich noch hatte. Ich bin ein kleiner Pisser, dessen Meinung nicht allzu viel ins Gewicht fällt. Nur, wir haben das Problem, dass früher oder später viele Millionen Pisser auf diesen Trichter kommen werden.
Wenn Wulff sich ein paar mal räuspert und qua Amt die Bevölkerung in seinen Bann zieht (als Bundespräsident kann man wahrlich nicht viel falsch machen, sogar den letzten hielten wir einigermaßen für in Ordnung, obwohl die Meldungen sich häuften, in seinem Hause ginge es drunter und drüber), wird man, wenn man irgendwann wieder in der Wahlkabine steht, sich ganz genau überlegen, ob man sich erneut seinem inneren Doktrin (1. Rechts ist beschissener als Scheiße, 2. SPD ist CDU light, 3. Die Linken sind krude, 4. Wähle noch einmal die Grünen!) ergibt.

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Letzte Aktualisierung: 2026.05.27, 15:41
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