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Dienstag, 23. September 2014
Und dann gab es in der Klasse noch jene fleißige Schülerin, die adoptiert war. Man sah ihr rasch die undeutschen Wurzeln an. Es waren die Spätachtziger und ging im Unterricht wieder einmal um die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen. Nein, nicht Türken verbrennen. Das kam später: es war wieder einmal eine Asyldebatte zu Gange. Politiker aller Couleur übertrafen sich mit Vorschlägen voller Gemeinheiten. Diese überangepasste Schülerin, sozusagen das Pendant zu den Konvertit-Salafisten der 2000er, nur umgekehrt, empörte sich am meisten und meinte, Deutschland könne doch nicht "alle" aufnehmen. Dass die paar Tausend Menschen zu Hause krepierten, berührte sie gar nicht. Keine Ahnung, die Daten kenne ich kaum. Aber ich denke, dass der Anteil der Ausländer damals im Vergleich zu den Migranten heute geringer war. Dennoch war es so, dass die Deutschen das Gefühl hatten, alles Schlechte käme von Ausländern und insbesondere von den Türken (damals waren die Fremden nicht so durchrasst wie heute, mit all den Russen, Exjugos, Arabern, Bulgaren, Afrikanern usw. usf. Türke war damals Synonym für fremd, aber abstoßend fremd).
Wir waren die Fahrraddiebe!
Und Drogensüchtige, Vergewaltiger, Sozialschmarotzer, und denke dir jede Schlechtigkeit aus und setze hier ein, damit hast du noch einen von unseren neunundneunzig Namen...
Politiker als Sprachrohr des gesunden Volkempfindens warnten eindringlich vor Überfremdung und schürten das Feuer, das später in Mölln und Solingen gut durchgebratenes Türkenfleisch in deutsche Wohnzimmer servierte. Gott erhalte uns Kohl ewiglich.
Das Spiel wird heute genauso gespielt. Eine Asyldebatte, die nur Hass auf Sinti und Roma, Afrikaner und andere arme Geschöpfe schüren soll, wird bald ihre ersten Früchte liefern. Ich bin mir sicher, dass da paar Hardcorescheißnazis sich ermutigt fühlen werden, im Sinne jener wegweisenden Politiker zu handeln, damit auch in dieser Debatte die Prophezeiung sich selbst erfüllt. Wer weiß, vielleicht arbeitet der Verfassungsschutz gerade daran, sowas zu verhindern. Er war ja so erfolgreich bei den NSU-Terroristen.
Vielleicht werde ich, in dessen Gegenwart bekanntlich die Milch immer sauer wird, einst Gott anbeten, er möge Kretschmann uns ewiglich erhalten. Dass er nicht den Mut hatte, in dieser genuindeutschen Rattendebatte den Weg des Anstandes zu gehen.

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Letzte Aktualisierung: 2026.05.06, 21:37
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